
Bitcoin gibt nach, die Iran-Lage bleibt ungelöst und gleichzeitig passieren im Hintergrund Dinge, die strukturell relevant sind. Kraken bringt ein neues Renditeprodukt für Hodler. Ein deutsches Bundesland emittiert ein Wertpapier auf der Blockchain. Und Polymarket reagiert auf einen Insider-Skandal. In der neuen Folge Crypto Nerds Uncut ordnen Eric und Sascha alles ein.
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Bitcoin ist in dieser Woche von rund 77.500 auf 73.200 Dollar gefallen. Die Ursache liegt nicht im Krypto-Markt selbst, sondern in der weiter ungelösten Situation zwischen den USA und dem Iran. Es gab zwischenzeitlich Meldungen, dass eine Verlängerung der Waffenruhe um 60 Tage kurz bevorstand, dann kam es wieder zu Angriffen auf beiden Seiten. Stand dieser Folge ist die Lage weiter offen.
Sascha bringt einen interessanten Datenpunkt: Der Mai 2026 ist mit minus 3,68 Prozent der ruhigste Mai seit 2015. Und entgegen dem bekannten Sprichwort ist der September laut historischen Daten seit 2011 mit einem Durchschnitt von minus 3,77 Prozent der statistisch schwächste Monat für Bitcoin, nicht der Mai. Der November hingegen ist mit einem Durchschnitt von über 40 Prozent der stärkste, wobei dieser Wert durch die extremen Ausschläge der frühen Jahre verzerrt ist.
Kraken hat ein neues Produkt gelauncht: die Bitcoin Vault. Wer seine Bitcoin dort hinterlegt, kann bis zu 2,5 Prozent Rendite im Jahr erhalten. Das Modell ähnelt dem Staking, ist aber technisch nicht dasselbe, da Bitcoin kein Proof-of-Stake-Netzwerk hat. Eric spricht von einem gesperrten oder gehaltenen Kapital, das so für den Nutzer arbeitet.
In den ersten Stunden nach dem Launch haben rund 4.000 User das Produkt genutzt und knapp 30 Millionen Dollar eingezahlt. Zum Vergleich: Tagesgeld liegt laut Sascha aktuell bei rund 4 Prozent, bietet aber keine Aufwärtschance durch Kurssteigerungen.
Eric ordnet den Markt dahinter ein: Es gibt inzwischen mehrere Wege, Bitcoin für sich arbeiten zu lassen. Babylon Labs hat eine Art Bitcoin-Locking entwickelt und hält bereits rund 3,5 Milliarden Dollar in diesem System. Und über Plattformen wie Borrow Today lassen sich Bitcoin auch beleihen, um Liquidität zu bekommen, ohne verkaufen zu müssen. Das alles ist neu und entwickelt sich gerade erst.
Sachsen-Anhalt emittiert als erstes deutsches Bundesland eine digitale Schuldverschreibung als Kryptowertpapier auf der Blockchain. Das Volumen des ersten Testlaufs liegt bei 100 Millionen Euro. Rechtlich ist das möglich über das elektronische Wertpapiergesetz, kurz eWpG.
Sascha sieht darin ein positives Signal: Bundesländer experimentieren aktiv mit der Technologie. Eric ergänzt, dass ein Bitcoin-Treasury wie in den USA für deutsche Bundesländer regulatorisch nicht möglich ist, beschlagnahmte Bestände müssen verkauft werden. Aber ein Schuldpapier auf der Blockchain zu emittieren ist ein anderer Weg, der zeigt, dass die Technologie im institutionellen Rahmen ankommt.
Paxos, genauer gesagt die Tochtergesellschaft PSSC, hat von der SEC die Zulassung als offizielle US-Clearing-Stelle erhalten. Das ist das erste Mal, dass ein Blockchain-natives Unternehmen diese Genehmigung bekommt.
Was das bedeutet: Paxos darf jetzt Aktien und Wertpapiere übertragen, verbuchen und verwahren, wie andere große Player auch. Der Vorteil gegenüber klassischen Clearing-Stellen ist das Same-Day Settlement. Statt einen Geschäftstag zu warten, wird eine Transaktion mit Smart Contracts sofort abgewickelt. Das spart Finanzinstituten Geld und reduziert operative Risiken. Sascha macht den Punkt, dass US-Banken dadurch strukturell effizienter werden als europäische, was mittelfristig auch Europa unter Druck setzen wird, nachzuziehen.
Polymarket führt KYC ein und kooperiert mit Chainalysis für On-Chain-Analysen. Der Anlass: Ein Google-Mitarbeiter hat mit internem Wissen darüber, wer der meistgesuchte Künstler des Jahres ist, auf Polymarket gewettet und 1,2 Millionen Dollar kassiert. Die Daten haben ihn verraten.
Das Polymarket-Team hat zunächst kommuniziert, KYC gelte nur für neue Produkte, nicht für bestehende Nutzer. Eric und Sascha sind skeptisch. Wer eine saubere Compliance vorweisen will, kommt um eine vollständige KYC-Überprüfung der gesamten Nutzerbasis nicht herum.
Sascha macht einen wichtigen Punkt, der über Polymarket hinausgeht: Wer glaubt, auf dezentralen Börsen oder ohne KYC-Schritte dauerhaft unsichtbar zu bleiben, unterschätzt, wie gut KI-Modelle inzwischen darin sind, On-Chain-Transaktionen auszuwerten und mit Off-Chain-Daten zu verknüpfen. Sobald irgendwo ein Offramp stattfindet, ist der Datenpunkt da. In zehn Jahren laufen diese Modelle über alle Transaktionen.
Zum Abschluss bringt Sascha eine Zahl, die den Kontext des Markts gut zeigt: Anthropic hat 65 Milliarden Dollar eingesammelt bei einer Post-Money-Bewertung von 965 Milliarden Dollar. OpenAI bereitet sich auf einen Börsengang vor. SpaceX soll laut Sascha der größte IPO der Menschheitsgeschichte werden, mit einer Bewertung von 1,8 Billionen Dollar. Eric und Sascha sind sich einig: Es handelt sich nicht um eine Blase, sondern um den Beginn einer strukturellen Verschiebung durch KI, deren wirtschaftliche Auswirkungen noch kaum zu greifen sind.
Die komplette Einordnung aller Themen gibt es in der aktuellen Folge von Crypto Nerds Uncut.
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