
Fabian Vogelsteller hat sich Programmieren selbstbeigebracht. Mit 14 Jahren baute er seine erste Website mit Microsoft Frontpage, erkannte schnell die Grenzen des Tools und lernte HTML über self-html.de. Aus Webbauerei wurden über 40 Websites, aus Websites ein Buch über das JavaScript-Framework Meteor. Mediengestaltung an der Bauhaus-Universität in Weimar wählte er nicht wegen des Inhalts, sondern weil ihm der Studiengang genug Freiheit ließ, sein eigentliches Ding nebenbei weiterzubauen.
2013 hörte er über einen Link auf einer Medien-Webseite von Bitcoin. Nicht durch ein Whitepaper, sondern weil ein Kanadier sein Haus in Bitcoin verkaufen wollte.
„Ich habe sehr schnell gesehen, dass das Game Changing ist. Hier ist eine Technologie, die es vorher noch nicht gab."
Was ihn an Bitcoin fesselte, war nicht die Spekulation, sondern das technische Prinzip: ein Netzwerk, das ohne zentrale Kontrollinstanz Konsens findet. Kein Staat, kein König, kein Herzog, der bestimmt, was Wert hat. Zum ersten Mal in der Geschichte konnte das jeder.
Wenn du alle Informationen haben möchtest, solltest du dir die gesamte Folge nicht entgehen lassen.
Crypto Nerds Podcast mit Fabian Vogelsteller
Der Weg zu Ethereum begann nicht mit einer Bewerbung, sondern mit einer Party. Beim Opening des Bitcoin Center Berlin traf Fabian Vogelsteller Menschen aus dem Ethereum-Team, die ihm sagten, dass sie ein großes Announcement planten. Zwei Tage später startete der Ethereum-ICO. Fabian investierte seine 12 Bitcoin, damals rund 1.000 Euro, in Ether.
Kurze Zeit später sah er eine Rekrutierungsanzeige auf LinkedIn, bewarb sich, fuhr ins Berlin-Office und erklärte dort dem Accounting-Verantwortlichen, dass er weiß, wie man Single-Page-Apps baut. Genau die Technologie, die Ethereum braucht, wenn Smart Contracts die Backend-Logik liefern und alles andere im Frontend laufen muss.
Die Ethereum Foundation dieser Zeit war kein klassisches Startup. Alle Kommunikation lief über ein oder zwei Skype-Gruppen. Vitalik Buterin war fast immer unterwegs. Im Berliner Office saßen Gavin Wood mit seinem C++-Team, Christoph Reitwiesner, der Solidity baute, und Fabian selbst, der theoretisch zum Go-Ethereum-Team von Jeffrey Wilk gehörte, aber physisch mitten bei Gavin Wood saß.
„Ich war so die Bridge, die versucht hat, diese Teams zu connecten. Das hat Gavin natürlich nicht so toll gefunden."
Fabians erste Aufgabe war eine Whisper-Chat-App, mit der er zeigte, was er kann. Was folgte, war der Mist Browser, in fünf bis sechs Monaten gemeinsam mit dem UX-Designer Alex van de Sande gebaut. Mist war die Idee des ersten Web3-Browsers: ein Interface, das Smart Contracts, Voting-Systeme, dezentrale Demokratie und Family-Fund-Verwaltung unter einem Dach visualisiert.
Ein Video aus Oktober 2014 zeigt das Konzept, acht Monate vor dem Mainnet-Launch. Fabian sagt dazu:
„Wenn du dir das anschaust, wirst du sehen, dass wir noch nicht mal die Hälfte davon bis jetzt erfüllt haben."
Parallel zum Mist Browser entstand Web3.js, die JavaScript-Library, über die D-Apps mit Smart Contracts kommunizieren. Sie war jahrelang die meistgenutzte Ethereum-Library überhaupt und ist es in Teilen bis heute. Fabian hat außerdem die RPC-APIs der Ethereum-Nodes mitgestaltet, den ersten Security-Token-Standard mitverantwortet und insgesamt fünf ERC-Standards in der Ethereum-Community verankert.
„Tatsächlich basiert fast alles in Crypto auf etwas, wo ich entweder das erfunden habe, mitgebaut habe oder mitgestaltet habe."
Die Geschichte von ERC-20 beginnt mit einer Wiki-Diskussion, die Vitalik Buterin angestoßen hatte. Viele wollten Tokens auf Ethereum bauen, wussten aber nicht wie. Fabian Vogelsteller erkannte, dass die Diskussion Struktur brauchte, und erstellte ein GitHub-Issue im neu gegründeten EIP-Repository. Das Issue hatte die Nummer 20, weil GitHub einfach durchnummeriert.
Er nannte den Standard Ethereum Request for Comment, kurz ERC, in Anlehnung an die RFC-Standards der Webentwicklung. Über 300 Kommentare und 60 Beteiligte später war der Standard im Wesentlichen unverändert. Einer der ersten Token, die ihn nutzten, war ein tokenisierter Goldstandard aus Singapur. Real World Assets auf Blockchain, im November 2015.
„Alles was du heute siehst, gab es schon mal. Die Ideen waren schon da."
Wenn du mehr über diese Ideen erfahren möchtest, hör dir die Folge an:
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Dreieinhalb Jahre nach seinem Einstieg bei Ethereum gründete Fabian Vogelsteller Lukso. Die Ausgangsfrage war: Wie bekommt man Web3 in die Mainstream-Kultur? Seine Antwort war, dass man dafür vor allem eines braucht: Identity. Einen Account, der wirklich funktioniert.
Ein normaler Ethereum-Account ist ein Public Key. Wer den Private Key verliert, verliert alles. Man kann keine Geräte autorisieren, keine Apps mit verschiedenen Rechten ausstatten, keine Informationen auf dem Account hinterlegen und keine Reputation aufbauen. Lukso und Universal Profiles lösen genau das: ein Smart Contract Account, der upgradable ist, Informationen speichert, Dritte wie AI-Agenten autorisieren kann und auf Protokolle automatisch reagiert.
Lukso ist technisch eine vollständige Kopie von Ethereum auf Chain-Ebene, mit allen Ethereum-Upgrades kompatibel, aber mit neuen Smart-Contract-Standards. Das Onboarding ist kostenlos: Nutzer bekommen 20 Millionen Gas pro Monat geschenkt und können einen Account in 30 Sekunden erstellen, ohne E-Mail, ohne Passwort.
„Wenn du Identity als Core Building Block hast, dann wird alles auf einmal möglich."
Starbucks Odyssey, Lufthansa NFTs, Nike Web3-Projekte: Fast alle großen Web3-Unternehmensversuche wurden eingestellt. Fabians Diagnose ist eindeutig: nicht die Idee war falsch, sondern die Infrastruktur fehlte. Starbucks brauchte eine eigene Custom App. Das Wallet war isoliert. Das widerspricht dem Grundprinzip von Blockchain.
Seine Vision für Lukso ist Cultural Tokenization: Musiker, die Fan-Tokens ausgeben, die nicht handelbar sind, weil sie echte Präsenz belohnen sollen. Konzertbesucher, die beim Einchecken automatisch einen Proof-of-Attendance-Token bekommen. Communities, die Token als Schlüssel für Zugänge nutzen. Das alles ist keine Theorie mehr. Seit wenigen Wochen gibt es den Token Generator und die Proof-of-Presence-App auf Lukso. Bei einem Rooftop-Event in Berlin während der Berlin Blockchain Week haben 170 von 200 Gästen ein Universal Profile erstellt und 161 Proof-of-Attendance-Token erhalten.
„Die Leute sind nicht wegen Krypto gekommen. Aber sie haben Web3 benutzt."
Fabian Vogelstellers Geschichte ist kein Pitch. Es ist die Geschichte von jemandem, der seit 2013 an denselben Grundproblemen arbeitet und nicht aufgehört hat, auch als der Preis von Lukso von Milliarden auf 30 Cent fiel. Sein Argument ist einfach: Wenn du keine Schienen baust, können keine Züge fahren. Und die Schienen, die er baut, waren laut ihm noch nirgends so fertig wie jetzt.
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