Powell ist weg, Warsh ist drin: Was diese Woche für den Kryptomarkt bedeutet

Diese Woche war eine der vollgepacktesten seit Monaten. Jerome Powell hat seinen letzten Tag als FED-Chef hinter sich. Kevin Warsh sitzt jetzt im Amt. Der Clarity Act hat einen wichtigen Ausschuss passiert. Bitcoin ETF-Inflows aus der Vorwoche sind komplett wieder abgeflossen. Und eine Geschichte über KI und Bitcoin-Wallets hat die Medien auf Trab gehalten. In der neuen Folge Crypto Nerds Uncut ordnen Eric und Sascha alles ein.

Hör dir die gesamte Folge und viele weitere auf Podigee an:
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Bitcoin zwischen 78.000 und 82.000: Was steckt hinter der Schwankung?

Der Bitcoin-Kurs bewegte sich diese Woche zwischen rund 78.000 und 82.000 US-Dollar. Den Höchststand von etwa 82.800 gab es am 6. Mai, zuletzt fiel der Kurs wieder unter 78.000. Das klingt nach viel Bewegung, ist aber laut Eric und Sascha gut erklärbar.

Der Hauptgrund: Viele Marktteilnehmer hatten gehofft, dass das Treffen von Trump und Xi in China konkrete Ergebnisse bringt, zum Beispiel eine Entspannung rund um die Straße von Hormuz. Das ist nicht passiert. Kein Statement, keine positiven Signale. Und das preist der Markt gerade ein. Dazu kommt der April-CPI in den USA, der um 3,8 Prozent gestiegen ist, getrieben durch Energiepreise. In einem solchen Umfeld neigen institutionelle Anleger dazu, bei risikoreichen Assets wie Bitcoin eher vorsichtig zu sein.

Bitcoin ETFs: Was rein kam, ist wieder raus

Noch letzte Woche hat Eric von starken ETF-Inflows berichtet, über eine Milliarde US-Dollar in einer Woche. Diese Woche sieht es anders aus. Outflows von 268 Millionen, dann 233 Millionen und am 13. Mai ein besonders großer Abfluss von rund 630 Millionen Dollar. Auch am 15. Mai gingen nochmal etwa 290 Millionen raus.

Das Ergebnis: Was in der Vorwoche reingekommen ist, ist diese Woche wieder abgeflossen, plus ein bisschen mehr. Für Eric ist das ein klares Zeichen dafür, wie nervös der Markt gerade ist. Die Schwankungsbreite zwischen 78.000 und 82.000 Dollar bildet das gut ab.

Clarity Act: Einen Schritt weiter, aber noch nicht durch

Der Clarity Act hat das Senate Banking Committee mit 15 zu 9 Stimmen passiert. Das ist ein Fortschritt, aber kein Abschluss. Das Gesetz muss noch weitere Schritte durchlaufen, bevor es als Gesetz unterzeichnet werden kann.

Das Weiße Haus plant, die Bill bis zum 4. Juli 2026 zu unterzeichnen. Laut Polymarket liegt die Wahrscheinlichkeit dafür gerade bei rund 67 Prozent, also zwei von drei. Vor einigen Wochen war der Wert noch höher, jetzt hat er sich etwas nach unten bewegt.

Ein Punkt, den Eric im Podcast hervorhebt: Stablecoin-Yields waren bisher ausgeschlossen. Jetzt scheint es eine Einigung zu geben, die sie unter bestimmten Bedingungen erlaubt. In Europa ist das übrigens unter MiCA weiterhin nicht freigegeben, was perspektivisch zu einer Liquiditätsverschiebung in Richtung USA führen könnte.

Der Grund, warum Banken zunächst blockiert haben: Sie finanzieren rund 80 Prozent ihrer Kredite über Kundeneinlagen. Wenn Stablecoins attraktive Yields bieten, könnten Einlagen abgezogen werden und die Refinanzierung ins Wanken geraten. Ein valider Punkt, auch wenn offen ist, ob es wirklich so kommt.

Powell out, Warsh in: Was der FED-Wechsel für Krypto bedeutet

Jerome Powell hat sein Amt als FED-Chef am 15. Mai abgegeben. Kevin Warsh wurde vom US-Senat mit 54 zu 45 Stimmen bestätigt, eine der knappsten Entscheidungen in der modernen Geschichte der FED. Er ist jetzt der 17. Vorsitzende.

Was viele nicht wissen: Powell bleibt im Board of Governors. Das ist ungewöhnlich. Die meisten ehemaligen FED-Chefs verlassen nach Ende ihrer Amtszeit auch das Board. Dass Powell bleibt, gibt ihm eine gewisse Einflussmöglichkeit auf Entscheidungen, die vom Board bestätigt werden müssen.

Warsh gilt als kryptoaffin und ist selbst in Solana, Polychain und andere Projekte investiert. Er sagt, Bitcoin sei Gold für alle unter 40. Klingt gut für Krypto, oder?

Sascha bremst an der Stelle. Warsh verfolgt einen Ansatz namens QT for Cuts: Er will zwar die Zinsen senken, aber gleichzeitig die FED-Bilanz durch Anleiheverkäufe schrumpfen. Das entzieht dem Markt Liquidität. Der Nettoeffekt für Risikoassets wie Krypto könnte deshalb negativ sein, auch wenn die Schlagzeile nach Zinssenkung klingt. Wer nur die Überschrift liest, könnte sich hier vertun.

Die nächste FOMC-Sitzung ist am 16. oder 17. Juni. Laut Polymarket ist eine Zinssenkung im Juni unwahrscheinlich. Bis Dezember liegt die Wahrscheinlichkeit für mindestens einen Cut bei rund 28 Prozent. Eric hält diese Einschätzung von Polymarket für nicht besonders treffsicher, aber als Stimmungsindikator taugt sie.

Trump in China: Wirtschaftsdeal statt Entspannung

Trump war mit einer großen Wirtschaftsdelegation in China, darunter Tim Cook von Apple und Jensen Huang von Nvidia. Boeing hat 200 Jets verkauft. Die USA erlauben jetzt den Export von Nvidias H200-Chip nach China.

Das ist ein deutlicher Kurswechsel. Bisher war die Linie klar: KI-Technologie bleibt in den USA. Dass jetzt der zweitstärkste Chip nach China exportiert werden darf, zeigt, dass Wirtschaftsinteressen gerade Vorrang haben. Sascha fragt zu Recht: Was ist der Deal im Hintergrund? Was bekommt Washington dafür?

Zur geopolitischen Lage selbst gab es kein Statement. Die Taiwan-Fragen wurden ignoriert. Der Markt hat das verarbeitet und ist etwas zurückgegangen.

KI knackt Bitcoin-Wallet? Was wirklich passiert ist

Eine Story hat diese Woche alle Medien beschäftigt: Eine KI-Lizenz für 20 Dollar soll eine Bitcoin-Wallet mit fünf Bitcoin geknackt haben. Die Schlagzeilen klangen alarmierend. Die Realität ist deutlich nüchterner.

Was tatsächlich passiert ist: Jemand hatte seine Wallet-Zugangsdaten verloren. Er hatte auf seiner alten Festplatte aber noch Notizen, Backups und Hinweise gespeichert. Er hat Claude Zugriff auf diese Festplatte gegeben. Claude hat sich durch die Daten gewühlt, Fragmente zusammengesetzt und so das Passwort rekonstruiert.

Das ist kein Hacking. Das ist Detektivarbeit auf Basis vorhandener Daten. Kein Brute-Force, kein Angriff auf die Kryptografie. Die Medien haben daraus eine andere Geschichte gemacht.

Das eigentliche Takeaway laut Sascha: Seed Phrases und Passwörter gehören nicht auf den Computer, nicht in die Cloud und nicht als Bild auf dem Smartphone. Die reale Gefahr ist, dass KI-Tools heute sehr gut darin sind, Datenfragmente zu kombinieren und daraus Zugangsdaten zu rekonstruieren. Wer seine sensiblen Informationen offline sichert, auf Papier oder auf Metall, ist deutlich besser geschützt.

Die komplette Einordnung aller Themen gibt es in der aktuellen Folge von Crypto Nerds Uncut.

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Eric Heinemann ist Gründer von Crypto Nerds, einem der führenden deutschsprachigen Krypto-Education-Formate.
Seit 2018 erklärt er komplexe Themen wie Bitcoin, DeFi und Blockchain verständlich und praxisnah – über Podcasts, Kurse und Events in ganz Europa.
Eric Heinemann,
Gründer von Crypto Nerds
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