Blutrot: Was hinter dem Bitcoin-Crash, Strategy-Verkauf und der Cardano-Krise steckt

Es war eine der härtesten Wochen seit Monaten. Bitcoin verliert fast 15 Prozent in fünf Tagen, Strategy verkauft zum ersten Mal Bitcoin, Cardano-Gründer Hoskinson kündigt eine Pause an und Arthur Hayes verabschiedet sich nach einer bullishen Prognose aus seinen eigenen Positionen. Eric ist aus seinem Wohnmobil an der Ostsee dabei, Sascha hat seinen Hintergrund passend in Rot gehalten. In der neuen Folge Crypto Nerds Uncut ordnen die beiden alles ein.

Hör dir die gesamte Folge und viele weitere auf Podigee an:
https://crypto-nerds-podcast.podigee.io/

Bitcoin verliert fast 15 Prozent in fünf Tagen

Noch letzte Woche stand Bitcoin knapp unter 74.000 Dollar. Innerhalb von fünf Tagen wurde der Kurs bis fast auf unter 61.000 Dollar durchgereicht. Der Fear and Greed Index ist auf 17 gefallen, was tief im Bereich extremer Angst liegt. Und im Laufe einer Nacht wurden innerhalb einer Stunde 500 Millionen Dollar an Long-Positionen liquidiert.

Eric hat sich die Net-Outflow-Daten angeschaut: Im Spot-Bereich sind in den letzten 30 Tagen 2,34 Milliarden Dollar aus Bitcoin abgeflossen. Das entspricht fast der gesamten Market Cap von Shiba Inu. Der größere Treiber sind aber die ETF-Outflows. Seit dem 18. Mai gibt es laut Eric nur rote Zahlen. Der größte Einzeltag lag bei 733 Millionen Dollar am 27. Mai. Insgesamt sind in drei aufeinanderfolgenden Wochen 4,2 Milliarden Dollar aus den Bitcoin-ETFs abgeflossen.

Eines der ersten positiven Zeichen laut Eric: Am Tag der Aufnahme verzeichnen die ETFs zum ersten Mal seit Wochen wieder einen leichten Net-Inflow. Ob das eine Trendwende ist, bleibt offen.

Auf dem Rainbow Chart befindet sich Bitcoin gerade im Fire-Sale-Bereich. Historisch war das immer ein Bereich, in dem langfristig orientierte Käufer aktiv werden. Kein Financial Advice.

Woran liegt es? Mehrere Faktoren gleichzeitig

Eric und Sascha sind sich einig: Es gibt keinen einzelnen Auslöser. Mehrere Faktoren treffen gleichzeitig aufeinander.

Erstens die institutionellen ETF-Outflows, die bereits drei Wochen andauern. Zweitens die Iran-USA-Situation, die weiterhin ungelöst ist. Drittens, und das ist Saschas These, schichten viele institutionelle Anleger Kapital in die bevorstehenden Mega-IPOs von Anthropic, OpenAI und SpaceX um. Die aufgerufenen Bewertungen sind enorm. Wer früh rein will, braucht Liquidität. Und viertens der Strategy-Verkauf, der zwar klein ist, aber eine Signalwirkung hat.

Strategy verkauft 32 Bitcoin: Was dahinter steckt

Am 1. Juni hat Strategy 32 Bitcoin für zweieinhalb Millionen Dollar verkauft. Das entspricht einem Durchschnittspreis von 77.000 Dollar und damit einem Gewinn über dem aktuellen Marktpreis. Es ist das erste Mal, dass Strategy überhaupt Bitcoin verkauft.

Eric ordnet die Größe ein: 32 Bitcoin sind 0,004 Prozent des Gesamtbestands von 843.706 Bitcoin, die zusammen rund 63 bis 64 Milliarden Dollar wert sind. Zum Vergleich: Am 18. Mai hat Strategy noch 900 Bitcoin gekauft. Trotzdem liegt der durchschnittliche Einkaufspreis bei 75.699 Dollar, was bedeutet, dass 74 Prozent der gehaltenen Bitcoin aktuell im Minus sind.

Was Eric stört, ist die Entwicklung der Kommunikation rund um den Verkauf. Im Februar 2025 postete Saylor: Never sell your Bitcoin. Kurz danach: Keep your Bitcoin, not your kidney. Im Q1 Earnings Call am 5. Mai 2026 hieß es dann, man wolle den Markt immunisieren. Und schließlich: We will sell Bitcoin when it is advantageous to the company.

Sascha bringt es auf den Punkt: Strategy hält Bitcoin nicht aus Nächstenliebe, sondern um Geld zu verdienen. Dass irgendwann Verkäufe kommen, war absehbar. Der Markt wird das einpreisen. Strategy bleibt trotzdem eine ungewisse Variable im Markt.

Cardano: Hoskinson macht Pause, ADA verliert 72 Prozent

Cardano-Gründer Charles Hoskinson hat eine Auszeit angekündigt. Der Grund: Die Community hat mehrere seiner Vorschläge abgelehnt, und er sieht keinen Spielraum mehr, das Projekt in die gewünschte Richtung zu lenken.

Sascha bremst kurz: Hoskinson ist nicht Teil der Cardano Foundation, die das operative Geschäft führt. Er ist die öffentliche Figur des Projekts. Eric hält dagegen: Genau das ist das Problem. Wer so lange das Gesicht eines Projekts ist, hat eine Signalwirkung.

Die Zahlen dahinter sind ernüchternd. ADA hat in zwölf Monaten über 72 Prozent seines Werts verloren. Das Market Cap ist von über 43 Milliarden Dollar Ende 2024 auf rund 5,9 Milliarden zusammengeschrumpft. Das DEX-Volumen auf der Chain liegt laut Sascha bei 8 Millionen Dollar in 24 Stunden bei einer Chain-Fee von 2000 Dollar.

Dazu kommen weitere Signale: TapTools, eine der größten Cardano-Analyse-Plattformen, schrumpft ihre Operations. Der Cardano Summit 2026 wurde gecancelt, nachdem er bei einem Community-Vote keine Zweidrittelmehrheit bekommen hat.

Arthur Hayes und HYPE: Prognose rauf, dann raus

Arthur Hayes hatte erst kürzlich prognostiziert, HYPE könne auf 150 Dollar steigen. Wenige Tage später postete er auf X, es sei Zeit, Gewinne mitzunehmen. Dann verkaufte er alle seine Positionen.

Für Eric ist das Marktmanipulation. Hayes hat dasselbe Muster bereits bei anderen Coins gezeigt: erst öffentlich pushen, dann rausgehen. Hyperliquid selbst bleibt laut Eric trotzdem interessant. Das Protokoll ist profitabel, wird mit dem 25-fachen seiner Gebühreneinnahmen bewertet.

Zcash und der KI-Bug: Was das bedeutet

Ein KI-Modell aus der Claude-Familie hat einen Sicherheitsbug in Zcash gefunden. Der Kurs ist daraufhin von rund 640 Dollar auf zeitweise 250 Dollar gefallen, aktuell bei rund 350 Dollar. Der Bug wurde gefixt.

Sascha stellt die logische Frage: Warum fällt der Kurs, wenn der Bug gefunden und behoben wurde? Die Antwort: Weil der Markt nun weiß, dass solche Bugs existieren können. Und weil niemand weiß, ob noch mehr kommen.

Der größere Kontext: KI-Modelle werden immer besser darin, Sicherheitslücken in Code zu finden. Sascha verweist auf das Anthropic-Projekt Glasswing, bei dem große US-Banken frühen Zugang zum Modell Mythos bekommen, um Sicherheitslücken zu schließen. Die EU verhandelt laut Sascha derzeit über einen ähnlichen Zugang.

Die komplette Einordnung aller Themen gibt es in der aktuellen Folge von Crypto Nerds Uncut.

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Eric Heinemann ist Gründer von Crypto Nerds, einem der führenden deutschsprachigen Krypto-Education-Formate.
Seit 2018 erklärt er komplexe Themen wie Bitcoin, DeFi und Blockchain verständlich und praxisnah – über Podcasts, Kurse und Events in ganz Europa.
Eric Heinemann,
Gründer von Crypto Nerds
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