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Deutschland gilt in der Kryptowelt als vorsichtig – doch genau diese Vorsicht verwandelt sich zunehmend in einen Standortvorteil. Klare Regeln, hohe Sicherheitsstandards und institutionelle Akzeptanz machen den Markt attraktiv für Unternehmen, die nicht auf Spekulation, sondern auf belastbare Infrastruktur setzen. In dieser Podcast-Folge spricht Eric Heinemann mit Martin Kreitmair, Mitgründer und Geschäftsführer von Tangany, einem der führenden deutschen Krypto-Verwahrer mit voller BaFin-Lizenz.
Dieser Artikel fasst die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Gespräch zusammen – fundiert, verständlich und angereichert mit Details aus dem vollständigen Transkript.
Die komplette Podcast-Folge mit Martin findest du hier:
👉Experts | Was macht ein Kryptoverwahrer? | Martin Kreitmair von Tangany - Crypto Nerds Podcast - Krypto, Bitcoin, Web3 & Co.
Martin Kreitmair ist Mitgründer und Geschäftsführer von Tangany und eine prägende Stimme in der deutschen Web3- und Custody-Landschaft. Gemeinsam mit seinen beiden Mitgründern – allesamt technisch versiert – tauchte er 2017 ins „Rabbit Hole“ der Kryptowelt ein. Was zunächst mit Neugier und ersten Käufen begann, entwickelte sich rasch zu einer tieferen Auseinandersetzung mit Technologie, Usability und dem Private-Key-Problem.
Kreitmair beschreibt diesen Wendepunkt so: „Die meisten Nutzer scheitern am Private Key – und genau da sahen wir die Chance, echte Infrastruktur zu bauen.“
2018 gründeten die drei schließlich Tangany – erst neben dem Vollzeitjob, später komplett selbstständig. Bis zur regulierten Lizenz vergeudeten sie keine Zeit: mehr als 2.000 Kaltakquise-Versuche, wenige Antworten, dafür ein erster Proof-of-Concept und ein langer Atem. Drei Jahre später erhielten sie als eines der ersten jungen Unternehmen überhaupt die BaFin-Lizenz für Kryptoverwahrung.
Heute verantwortet Kreitmair Vertrieb und Partnerbeziehungen und engagiert sich zusätzlich im Bundesblock, der wichtigsten Branchenorganisation für Blockchain-Unternehmen in Deutschland. Seine Vision: sichere Infrastruktur, klare Regulierung und Technologie, die Komplexität unsichtbar macht.
Tangany sieht drei zentrale Gründe, warum Deutschland im europäischen Vergleich eine Vorreiterrolle einnimmt:
Mit einer der weltweit frühesten Lizenzen für Kryptoverwahrung hat Deutschland ein Fundament geschaffen, das Institutionen Planungssicherheit gibt. Die BaFin schafft strenge, aber nachvollziehbare Leitplanken.
Banken und Finanzdienstleister möchten Krypto anbieten, allerdings nur unter klaren Bedingungen: Sicherheit, Compliance, Nachvollziehbarkeit und definierte Verantwortlichkeiten. Die Nachfrage nach lizenzierten Verwahrern steigt entsprechend stark.
Mit der europäischen MiCA-Verordnung werden Regeln für Stablecoins, Tokenisierung und Verwahrung harmonisiert. Ein planbares Umfeld entsteht – und Deutschland startet durch seine Vorarbeit mit einem deutlichen Vorsprung.
Der klassische Gegensatz zwischen „hot“ und „cold“ hat sich gewandelt. Unternehmen fragen weniger nach maximaler Isolation als nach integrierbarer, skalierbarer Infrastruktur. Entscheidend sind:
Cold Storage allein ist für viele Use Cases zu langsam. Hot-Wallet-Setups mit HSM-Unterstützung, Mehrfachfreigaben und klaren Sicherheitsprozessen bieten eine bessere Balance aus Geschwindigkeit und Sicherheit. Die Verwahrung ist damit weniger ein Aufbewahrungsort als ein operationelles Fundament.
Der Markt ist breit – und wächst:
Besonders dynamisch entwickelt sich die Tokenisierung realer Vermögenswerte (RWA). Unternehmen digitalisieren Immobilien, Fonds, Wertpapiere oder Schuldtitel – und benötigen dafür zuverlässige Verwahrung mit klaren regulatorischen Vorgaben. Kreitmair betont, dass Custody „zum Herzstück der europäischen Token-Ökonomie“ wird.
Viele Firmen unterschätzen den Aufwand. Drei Fallstricke treten besonders oft auf:
Häufig startet ein Projekt mit „Wir wollen etwas mit Krypto machen“ statt mit einem Produkt- oder Kundennutzen.
Fragen wie Signaturrechte, Backup-Prozesse oder regulatorische Verantwortlichkeiten werden zu spät definiert – mit teuren Folgen.
Krypto muss in bestehende Systeme eingebettet werden: Compliance, Risk, Payments, Reporting, Steuerlogiken und Kernbanksysteme. Custody ist kein Add-on, sondern Teil der Architektur.
Für regulierte Verwahrer treffen mehrere anspruchsvolle Faktoren gleichzeitig aufeinander: Die regulatorische Landschaft wird komplexer, Banken arbeiten häufig mit schwerfälligen Legacy-Systemen, während sich das Web3 rasant weiterentwickelt und Kunden gleichzeitig die Einfachheit moderner Fintechs erwarten. In diesem Spannungsfeld müssen Custody-Anbieter Technologien integrieren, Compliance sicherstellen und zugleich Produkte liefern, die flexibel und skalierbar bleiben.
Vier Entwicklungen zeichnen sich ab:
Euro-Stablecoins werden Prozesse automatisieren und Bankprodukte neu definieren.
Rechtssichere Register, weniger Vermittler, keine Papierprozesse.
Unternehmen operieren auf Ethereum, L2s, Solana und permissioned Chains gleichzeitig.
Die Verwahrung wird – wie SSL im Internet – zur unsichtbaren Infrastruktur, die einfach funktioniert.
Der Wechsel von eToro zu Tangany löste Fragen aus, weil viele Nutzer zum ersten Mal von einem „Krypto-Verwahrer“ hörten. Die Unsicherheit erklärt Kreitmair offen:
„Wir haben seit Jahren Hunderttausende Nutzer im System – nur eben immer im Hintergrund. Sichtbar wird man erst, wenn es jemand plötzlich merkt.“
Für den Endnutzer ändert sich praktisch nichts:
Das Interface bleibt, die Assets bleiben zugänglich, die Prozesse sind BaFin-geprüft und verursachen keine Zusatzkosten. Dass viele Nutzer erstmals über Backend-Infrastruktur stolperten, zeigt vor allem, wie unsichtbar Custody im Idealfall sein sollte.
Ein regulierter Verwahrer kombiniert technologische, organisatorische und rechtliche Schutzmechanismen zu einem mehrschichtigen Sicherheitsmodell: HSM-gestützte Signaturen, strenge Mehrfachfreigaben, segregierte Kundenbestände, regelmäßige externe Audits, Versicherungen und eigenes Risikokapital sorgen gemeinsam dafür, dass digitale Vermögenswerte bestmöglich abgesichert sind – insbesondere, weil Kundengelder gesetzlich nicht in die Insolvenzmasse des Verwahrers fallen.
Mit MiCA startet Europa 2025 auf einem gemeinsamen regulatorischen Niveau. Während viele Mitgliedsstaaten bei Null beginnen, verfügt Deutschland bereits über jahrelange Erfahrung, Lizenzen und Infrastruktur. Das öffnet deutschen Anbietern die Tür, ihre Services in ganz Europa auszurollen – ein strategischer Vorteil, den Tangany aktiv nutzen will.
Wenn du tiefer in das Thema Kryptoverwahrung, Regulierung & Custody-Architektur einsteigen willst, hör dir die komplette Folge mit Martin Kreitmair an:
👉 Experts | Was macht ein Kryptoverwahrer? | Martin Kreitmair von Tangany - Crypto Nerds Podcast - Krypto, Bitcoin, Web3 & Co.
Und wenn du mehr über unseren Gast erfahren möchtest, vergiss nicht, seine neuen Projekte zu verfolgen.
👉 LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/martin-kreitmair/?originalSubdomain=de
👉 Tangany: https://tangany.com/about
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Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Alle Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und Bildung. Krypto-Investments sind mit erheblichen Risiken verbunden – bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Triff deine Entscheidungen immer selbstbestimmt und informiere dich gründlich, bevor du investierst.
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